Neusser Delegation bei der „Dialogkonferenz – lokale Flüchtlingsarbeit“ in Berlin

Auf einer bundesweiten Dialogkonferenz diskutierte am 17. November 2017 in Berlin der Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen e.V. (NeMO) die gezogene Bilanz aus eineinhalb Jahren Projektarbeit des Modellprojekts samo.fa (Stärkung der Aktiven aus Migrantenorganisationen) mit Politikern, Wissenschaftlern, Integrationsbeauftragten, Vertretern von Wohlfartsverbänden und Migrantenorganisationen, sowie mit den lokalen samo.fa Koordinatoren von 30 Projektstädten. Der Raum der Kulturen Neuss e.V., samo.fa – Partner, hat sich ebenfalls mit seinen samo.fa -Koordinatoren, Vorstandsmitgliedern, Ehrenamtlern sowie Vertretern der Stadt Neuss an der bundesweiten Dialogkonferenz in der Berliner KulturBrauerei beteiligt.

„Der lange Sommer des Willlkommens ist vorbei, aber die Flucht und ihre Ursachen gehen weiter“, sagte Dr. Ümit Koşan, Vorsitzender des NeMO-Verbunds, in seiner Rede. Er betonte die Wichtigkeit von Migrantenorganisationen und Migranten, die durch ihre interkulturelle Expertise und ihrer eigenen Einwanderungsgeschichte einen einfachen und besseren Zugang zu Flüchtlingen hätten. Aber „Migrantenorganisationen sind bislang die Juniorpartner in der Flüchtlingshilfe, die gerne mithelfen, aber nur wenig mitbestimmen dürfen“, sagte Prof. Dr. Werner Schiffauer, Kulturwissenschaftler und Vorsitzender des Rats für Migration in seinem Vortrag. Zwar sei die Wichtigkeit der Migrantenorganisation in der Flüchtlingsarbeit mittlerweile bei Politik und Gesellschaft angekommen, es fehle jedoch eine Strukturförderung der Migrantenorganisationen. Schiffauer sieht die Notwendigkeit in der Teilhabe von Migrantenorganisationen in dauerhaften kommunalen Regelangeboten, wie z.B. Bildungsträger zu sein. Nur so könne nachhaltige Arbeit gefördert werden.

Das Modellprojekt samo.fa arbeitet seit 2016 an bundesweit 30 Standorten daran, Migrantenorganisationen durch Vernetzung, lokale Angebote und Strukturaufbau zu stärken, um Flüchtlinge in die Arbeitsmarkintegration, bei der Wohnungssuche, bei der Gesundheitsversorgung und –prävention sowie im Bildungsbereich zu unterstützen.

Hamdi Berdid, Vorsitzender des Raum der Kulturen Neuss e.V., bestätigt ebenfalls die Unverzichtbarkeit von Migrantenorganisationen in der Flüchtlingsarbeit. Er wies jedoch in einer Podiumsdiskussion der Konferenz auf die kritische Situation bei der Wohnungssuche hin. „Die Unterstützung der Migrantenorganisationen bei der Wohnungssuche ist kritisch. Zwar spielen Migrantenorganisationen eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von Wohnungen, doch ohne die Hilfe der Stadt und Politik ist die Wohnungssituation in Neuss allein nicht zu bewältigen“, erklärt Berdid.

In den 30 samo.fa Projektstädten wurden bei lokalen Dialogkonferenzen Forderungen und Vorschläge von Flüchtlingen und Ehrenamtlern an die Politik auf Sprechblasen geschrieben, die zur Konferenz in Berlin mitgebracht worden sind, und die als Handlungsempfehlungen an die künftige Bundesregierung gehen.

Fotos:
Neusser Delegation bei der „Dialogkonferenz – lokale Flüchtlingsarbeit“ in Berlin 2017